Erneut einseitigen Artikel zugunsten Enercity in der HAZ: Klärschlammverbrennung vor der Haustür

  • Veröffentlicht am: 10. September 2020 - 9:20

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Müll oder Dünger?

Erneut gab sich die HAZ zu einem einseitigen Artikel zugunsten der Enercity Hannover her. Kohleausstieg klingt gut, die Wahrheit erfuhr man ganz am Schluss: Es ist der Einstieg in eine neue Verbrennungstechnologie, nämlich die von Klärschlamm. Hier findet deutschlandweit ein neuer Wettbewerb statt, allein im Norden werden 8 Anlagen geplant bzw. sind bereits im Bau, und es werden bereits Verträge gesammelt, um den Klärschlamm von weit her herankarren zu können.

Die eigenen Stadtwerke einer Kulturhauptstadt in Spe setzen auf steinzeitliche Verbrennungstechnik und das im Zeichen des Klimawandels und gegen den Protest der engagierten Jugendlichen!

In Vorträgen und Gesprächen wird das Mäntelchen von „grüner Energie“ statt Kohle benutzt. Dabei werden in Wahrheit wieder jede Menge des Klimakillers CO² und trotz aufwendiger Filtertechnik tonnenweise giftige Abgase wie z.B. rund 35 Tonnen Stickoxide pro Jahr emittiert. Und das in einer bereits durch Müllverbrennung, Autobahnen und Flugrouten vorbelasteten Gegend- oder gerade deswegen!?

Diesmal erfährt man nicht, dass nur die Hälfte der Verbrennungskapazität aus Hannover kommt. Die andere Hälfte, etwa 70.000 Tonnen müssen von außerhalb der Region per LKW angefahren werden. Das ist aber nur die eine Seite: Denn bei der Wärmegewinnung entsteht bis zu 70% belastetes Abwasser. Laut Genehmigungsunterlagen sollen dazu 60.000 Tonnen pro Jahr Brüdenkondensate (Jauche) in Tanklastwagen nach Ganderkesee zur weiteren „Behandlung" transportiert werden. Dies bedeutet jeden Werktag 280 km Hin- und Rücktransport mit 10 schweren Tankwagen u.a. auf der überlasteten A1 südlich von Bremen.

Auch die in der Asche verglasten Phosphate können nur durch aufwendige chemische Verfahren in zentralen Anlagen zurückgewonnen werden. D.h. es sind weitere Transporte notwendig. Was das mit Klimaschutz zu tun hat, müssen dann aufwendige Werbekampagnen „verklären“.

Dabei gibt es dezentrale Verfahren, die klimaneutral bzw. sogar klimapositiv arbeiten. Der Umweltschutzverein Isernhagen hat gemeinsam mit den Grünen z.B. eine Pyreg-Anlage in Linz-Unkel besichtigt. Diese nutzt die vorhandene Energie der Kläranlage zur Vortrocknung und das Abwasser kann wieder in die Anlage zurückgeführt werden. Am Ende des Prozesses steht ein Karbonisat mit pflanzenverfügbarem Phosphat und CO² kann im Boden gespeichert werden.

Das Fazit: Leider fehlt den Verantwortlichen von Enercity der Weitblick. Dabei brauchen sie nur aus dem Fenster ihres Betriebsgebäudes im 20. Stockwerk zu blicken: Fast alle hannoverschen Dächer sind nackt! Ein Programm zur Nutzung der Sonnenenergie mit dezentralen Speichern wäre innovativ und einer künftigen Kulturhauptstadt angemessen.