Tempo-30-Anordnungen der Region: Neue Chancen für den Radverkehr

Die neuen Tempo-30-Anordnungen der Region Hannover auf den Kreisstraßen in Teilen Isernhagens sind erfolgt, weil der Zustand des Belages bei einem Ortstermin als so schlecht eingestuft wurde, dass die Verkehrssicherheit gefährdet ist und Schäden an Fahrzeugen drohen, wenn diese Straßen mit höherer Geschwindigkeit befahren werden. Wir müssen damit rechnen, dass dieser Zustand erst mit der Sanierung behoben wird.

Die Straßensanierung ist seit Jahren geplant und von der Region Hannover angekündigt. Es scheint so, dass wir eher einige Jahre, als nur ein paar Monate mit dieser Situation leben müssen.

So ärgerlich diese Vernachlässigung der Fahrbahn ist - sie ist dank Tempo 30 auch eine Chance für den Radverkehr endlich das zu tun, was auf diesen Straßen auch ohnehin zulässig und geboten ist: nämlich auf der Straße zu fahren. Dass der Zustand der straßenbegleitenden Wege oft noch schlechter ist als der der Fahrbahn, ist ein Grund mehr, sich auf die Fahrbahn zu trauen. Viele wissen aber gar nicht, wann sie mit dem Rad wo fahren dürfen oder müssen. Informationen dazu bietet der ADFC übersichtlich an unter: https://www.adfc.de/artikel/verkehrsregeln-fuer-radfahrende.

Das Wichtigste in Kürze: Radfahren auf der „Straße“ (Fahrbahn) ist für Menschen, die älter als 10 Jahre sind, der Regelfall. Begründung: Radfahrende führen ein Fahrzeug. Nur, wenn ein Radweg mit einem Verkehrszeichen als benutzungspflichtig gekennzeichnet ist, muss der Radverkehr diesen benutzen.

Diese Verpflichtung ist bei folgenden Zeichen der Straßenverkehrsordnung gegeben: Radweg, gemeinsamer Geh- und Radweg, getrennter Geh- und Radweg. Damit solche Schilder aufgestellt werden können, müssen die Wege bestimmte Mindestanforderungen erfüllen. Das ist in Isernhagen meist nicht gegeben. Die Gehwege sind oft kaum breit genug, um einen Kinderwagen schieben zu können oder sich mit dem Rollstuhl zu bewegen. Trotzdem ist es in Isernhagen weit verbreitet, die Gehwege auch für den Radverkehr freizugeben. In diesen Fällen wird ein Zusatzschild angebracht (siehe Abbildung).

Was jedoch viele Verkehrsteilnehmer*innen nicht wissen: Das Schild ist keine Verpflichtung, diesen Weg zu benutzen, sondern eine Erlaubnis! Hier sind die Radfahrenden nur Gast. Sie müssen hier mit besonderer Rücksicht auf Fußgänger*innen fahren, und: in Schrittgeschwindigkeit!

Bisher werden Radfahrer*innen in Isernhagen auf der Straße (Fahrbahn) leider oft als „Verkehrshindernis“ behandelt: Enges Vorbeifahren, Anhupen und Beschimpfungen sind keine Seltenheit. Es ist verständlich, dass viele sich deshalb bisher nicht getraut haben, auf der Straße zu fahren, vor allem, wenn 50km/h bei vielen am Steuer eines Autos eher die untere Geschwindigkeitsbegrenzung sind.

Die momentan verringerte Geschwindigkeit des Verkehrs auf den Straßen ist eine Chance für Radfahrer*innen, von ihrem Recht, auf der Straße zu fahren, vielleicht zum ersten Mal wirklich Gebrauch zu machen. Für Menschen auf den Gehwegen kann dies mehr Entspannung bringen. Und es ist auch eine Chance für die gesamte Gemeinde mal auszuprobieren, wie man mit Tempo 30 innerorts generell klarkommt. Die Straßen sind für alle da!

Jessica Rothhardt

Bündnis’90/Die Grünen OV Isernhagen

 

 

Verkehrzeichen Radwege
Datum der Pressemitteilung: 
Dienstag, 8. Juni 2021

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